Aktivitäten des Vereins

Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e. V.

 

2001 kann der gemeinnützige Verein ”Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e.V.” auf 8 Jahre erfolgreicher Tätigkeit zurückbIicken. Im Namen der vielen tausend bisher betreuten afrikanischen Kinder möchten wir hiermit allen ehrenamtlich Tätigen, die diese Arbeit finanziell, ideell oder auf andere Weise unterstützt haben, ganz herzlich danken. Sie haben mit viel Eigeninitiative, Engagement und harter Arbeit fast ausschließlich in ihrer Freizeit zu diesem Erfolg beigetragen.
 

 

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Broschüre "Bilanz eines erfolgreichen Selbsthilfeprojekts"

 

 

Wie 1991 alles begann

 

Prof Schmeller, damals Leitender Oberarzt der Klinik für Dermatologie und Venerologie der Medizinischen Universität zu Lübeck, hatte anläßlich eines Afrikaaufenthaltes im Juli 1991 eine Pilotstudie im Iändlichen Kisumu Distrikt in Westkenia durchgeführt. Diese fern aller Touristenattraktionen gelegene unterentwickelte Region am Ufer des Victoriasees zählt zu den ärmsten des Landes. Häufigkeit und Schweregrad der bei den Schul- und Vorschulkindem festgestellten chronischen, meist großflächigen und oft superinfizierten Dermatosen waren so ausgeprägt, wle man sich dies in Europa nicht vorstellen kann.
 

 

Aktivitäten 1992

 

Betroffen von der Situation war Prof. Schmeller nach seiner Rückkehr im Jahre 1992 mit dem Vorschlag zur Initiierung eines Selbsthilfeprojektes für schwer hautkranke Kinder in Afrika an die Cassella Riedel Pharma GmbH jetzt Aventis Pharma Deutschland GmbH herangetreten. Es wurde gemeinsam überlegt, in welcher Form am effektivsten Hilfe angeboten werden konnte. Zunächst sollte jedoch der erste Eindruck anhand einer größeren Studie bestätigt werden.
 

 

Untersuchungen in Kenia Anfang 1993

 

Nach Freistellung von seinen Verpflichtungen an der Universität und mit finanzieller Unterstützung von Cassella Riedel konnte Prof. Schmeller von Januar bis März 1993 emeut in den Kisumu Distrikt reisen und bei den "Ärmsten der Armen" eine epidemiologische Studie durchführen. Sie erfolgte in enger Abstimmung mit den örtlichen Gesundheitsbehörden (Medical Officer of Health, Kisumu District) und unter der Schirmherrschaft von UNICEF (Kenya Country Office, Nairobi). Zusammen mit einheimischen Gemeinde-Gesundheitshelfern (Community Health Workers, CHWs) führte Prof. Schmeller Reihenuntersuchungen an 73 Schulen in vier Gemeinden durch. Während der mehrwöchigen Untersuchungen in den Klassenräumen erfolgte neben der Diagnostik und der Therapie ein "on the spot training" der CHWs über die häufigsten und wichtigsten Hautkrankheiten, welches in Wochenend-Seminaren ergänzt und vertieft wurde.

Diese CHWs sind von UNICEF im Rahmen des Primary Health Care-Konzeptes ausgebildete medizinische Laien. Sie versorgen mit 12 Basismedikamenten in abgelegenen Dörfern ohne weitere medizinische Versorgungsmöglichkeiten Patienten, die an Malaria, Durchfällen, Wurmerkrankungen, Augeninfektionen, Anämien oder Schmerzen leiden.

Die Ergebnisse 1993 zeigten, daß von fast 6 000 untersuchten Schülern jedes dritte Kind eine oder mehrere Dermatosen aufwies. Es handelte sich dabei überwiegend um infektiös bedingte Hauterkrankungen. Bakterielle Infektionen (infizierte Wunden, Impetigo, tropische Ulzera), Mykosen (Tinea capitis und corporis) und Infestationen durch Arthropoden (Skables, Tungiasis) waren am häufigsten. Zusätzlich fanden sich Ekzeme und Hautmanifestationen durch Mangelernährung. Ausmaß und Schweregrad der Dermotosen waren erheblich und führten durch quälenden Juckreiz und Schmerzen zu einer massIven Beeinträchtigung der Lebensqualität.
 

 

Vereinsgründung im Herbst 1993

 

Um diese bedrückende Situation zu verbessern, wurde im September 1993 anläßlich der 27. Tagung der Deutschsprachigen Myologischen Gesellschaft in Greifswald der gemeinnützige Verein "Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e.V." gegründet. Die Gründungsversammlung fand im Beisein von Vertretern Kenias und der deutschen Dermatologie und Mykologie statt. Es handelte sich dabei u. a. um Dr. LR Mbae, Sekretär für Politik der kenianischen Botschaft in Bonn und um den inzwischen verstorbenen Mentor der deutschen Mykologie, Prof Dr. Dr. h.c. Hans Rieth. Die Firma Cassella Riedel Pharma GmbH, jetzt Aventis Pharma Deutschland GmbH, rief zur Unterstützung dieses Hilfsprojektes den Nagel Batrafen Fonds ins Leben; ferner übernahmen Mitarbeiter des Fachbereichs Dermatologie ehrenamtlich alle irn Zusammenhang mit der Vereinstätigkeit anfallenden organisatorischen und administrativen Aufgaben; damit war gewährleistet, dass jede Spendenmark ohne Abzüge in die Projektarbeit fließt.
 

 

Projektbeginn Anfang 1994

 

Bereits zum Jahresbeginn 1994 konnte mit Vereinsspenden das Dermatologie Projekt in West Kenia gestartet werden. In zunächst 4 Gemeinden wurden je 3 ausgebildete CHWs ausgewählt. Sie besuchen während der Schulzeit pro Woche eine Schule und untersuchen alle Kinder. Die Hautkranken werden mit vor Ort verfügbaren preisgünstigen Medikamenten behandelt Es handelt sich um Pyoktanin 0,5 % für bakterielle Dermatosen, Whitfield's Salbe (Acidum salicylicum 3%, Tinctura Benzoes. 6% in Vaseline) für Dermatomykosen, Benzylbenzoat 25 % für Skabies und Hydrokortison 1% for Ekzeme. Die Koordinierung des Projekts in den weit auseinander liegenden Gemeinden erfolgt durch Dr. Rosemary Obaro Okeyo, eine einheimische Ärztin mit einer Spezialausbildung in Public Health. Als Medical Supervisor wurde Charles Ochola, Clinical Officer der Chest and Skin Clinic des Distrikt Krankenhauses in Kisumu, eingestellt; er ist u. a. für das Lepra Projekt des Distrikes zuständig, besucht einmal wöchentlich eine Gemeinde und kontrolliert die von den CHWs durchgeführte dermatologische Versorgung. 1994 konnten insgesamt 17040 Schulkinder untersucht werden, von denen 5435 Hautkrankheiten aufwiesen. Während alle Kinder unentgeltlich behandelt werden, müssen hautkranke Erwachsene ein kleines Entgelt für die Medikamente zahlen.
 

 

Erste Erfolge 1995

 

1995 d.h. zwei Jahre noch der ersten epidemiologischen Studie und ein Jahr nach Beginn des Projekts durch Einheimische  konnten im Rahmen einer ersten Auswertung vom Autor dieselben Schulen besucht und alle Schüler erneut auf Dermatosen untersucht werden. Dabei fand sich ein Rückgang der Prävalenz der Dermatosen von 32,4% auf 29,6%. Die Unterschiede waren statistisch signifikant für die Tinea capitis und insbesondere für das tropische Ulkus. Wesentlich auffälliger als diese zahlenmäßig vielleicht gar nicht so beeindruckende Reduzierung der absoluten Zahl der Hautkrankheiten war jedoch die ausgeprägte Verminderung des Schweregrades bei den noch bestehenden Dermatosen.
 

 

Ausweitung des Projektes 1996

 

Die kontinuierliche und konsequente Hilfe in den folgenden Jahren ging mit einer deutlichen Verbesserung der Situation hautkranker Kinder und auch Erwachsener  einher. Aufgrund des großen Erfolges wurde das Projekt 1996 auf weitere 5 Gemeinden ausgeweitet. Die Ausbildung der neuen CHWs wurde einerseits durch Prof. Schmeller, andererseits aber bereits durch einheimisches Personal - drei fachlich herausragende und in der Ausbildung erfahrene CHWs, sogenannte TOTs (trainer of trainees) – durchgeführt.
 

 

Gründung einer selbständigen örtlichen Organisation 1996

 

Inzwischen hatte sich in Kisumu ein örtlicher "Counterpart" gebildet, der unter dem Namen KICODERMO (Kisumu Community Dermatology Group) als selbständige Nicht-Regierungs-Organisotion (NGO) in Kenia anerkannt ist; mit finanzieller Unterstützung des Vereins konnte KICODERMO 1996 ein eigenes Büro eröffnen. Dieser Organisation gehört ein CHW aus jeder Gemeinde an. Dadurch können unabhängig von ausIändischer Hilfe eigene Initiativen vor Ort gestartet werden und auf Gemeinde-, Distrikt- und Landesebene Aufklärungsarbeit betrieben und Gelder oder andere Hilfsmittel gesammelt werden.
 

 

Information und Mobilisierung der Dermatologen in Deutschland

 

Durch eine Vielzahl von Vorträgen, Publikationen, Poster und andere Aktivitaten (Pressekonferenzen, Wanderausstellungen) durch Prof. Schmeller und den Verein sind die Situation in Afrika und die durchgeführten Aktivitäten einer breiten deutschsprachigen und internationalen Öffentlichkeit bekannt gemacht geworden. Der Verein weist inzwischen über 100 fördernde Mitglieder auf, zu denen eine große Zahl von Klinikdirektoren und andere Repräsentanten der deutschen Dermatologie zählen. Die Vereinsaktiviäten wurden von vielen dermatologischen Institutionen unterstützt. Mit besonderer Dankbarkeit seien an dieser StelIe erwähnt: die Hamburger Dermatologische Gesellschaft, die Berliner Dermatologische GeselIschaft, die Deutsche Dermatologische Gesellschaft und die Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft. Anläßlich der 39. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft im April 1997 in Karlsruhe konnte bei einem von Hoechst Marion Roussell organisierten Afrikaabend elne erfreuliche Bilanz gezogen werden. Vor über 200 Dermatologen aus der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz sprach der Botschafter der Republik Kenia, Herr Ogutu Obare, seinen Dank für das bisher Geleistete aus und sicherte weitere Unterstützung vor Ort zu. An diesem Abend wurde die von Prof Schmeller in Zusammenarbeit mit dem Tropenmediziner Privatdozent Dr. P. Stingl, Steingaden, entworfene Wanderausstellung des Vereins eröffnet. Sie war inzwischen in einer Vielzahl deutscher Kliniken zu sehen und hat ein großes Echo gefunden.
 

 

Unterstützung durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung 1997

 

Im Herbst 1997 erfolgte erstmals eine Unterstützung des Projektes durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) in Höhe von 20000, DM. Von der für den Zeitraum von 8 Monaten zur Verfügung gestellten Summe trug der Verein "Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e. V" 5000, DM, den Rest stellte das BMZ. Damit konnte in einer weiteren, der  inzwischen zehnten Gemeinde, ein Dermatologie Projekt eingerichtet werden. Die Ausbildung der neuen CHWs erfolgte nun erstmals ausschließlich durch Einheimische; sie wurde lediglich durch ein Wochenendseminar von Prof. Schmeller anläßlich seines Besuches im Dezember 1997 ergänzt.
 

 

Maßnahmen zur finanziellen Selbstversorgung 1997

 

1997 wurde zusätzlich begonnen, in den Gemeinden einkommensschaffende Maßnahmen aufzubauen. Es handelt sich dabei um den Aufbau von Kleinbetrieben (Korbflechterel, Hühnerzucht, Viehwirtschaft Schneiderei u. a.). Durch den Profit vom Verkauf der entsprechenden Produkte soll das Projekt unabhängig(er) von der finanziellen Unterstützung aus Deutschland werden.
 

 

Stabilisierung des Projektes

 

Seit 1998 arbeiten insgesamt 30 ausgebildete CHWs in 12 Gemeinden und versorgen derzeit ca. 700 000 Menschen in West-Kenia. Dies ist doppelt so viel wie zu Beginn irn Jahre 1994. Inzwischen erhält das Projekt auf allen Ebenen (Distrikt- und Lokalpolitiker, Dorfälteste, Gemeindegesundheitskomitees, Lehrer, Eltern und natürlich die Betroffenen selbst) uneingeschränkte Anerkennung und Unterstützung; laut Angaben des Medical Officer of Health gilt es als eines der erfolgreichsten Entwicklungshilfeprojekte der Region.

Da die finanziellen Möglichkeiten des Vereins begrenzt sind, ist für die nächsten Jahre eine Stabilisierung des Projektes in dieser Dimension vorgesehen. Eine weitere,  von den Nachbargemeinden dringend gewünschte  Ausdehnung ist nur durch eine Steigerung des Spendenaufkommens möglich.
 

 

Weitere Unterstützung notwendig

 

Da die einkommensschaffenden Maßnahmen vor Ort noch nicht voll etabliert sind, ist der gemeinnützige Verein "Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e.V." auch weiterhin auf eine breite finanzielle Unterstützung angewiesen. Die ausgeprägte Inflation in Kenia mit starker Verteuerung der einheimischen Medikamente hat zu finanziellen Engpässen geführt. Mit den derzeit pro Jahr ausgegebenen 35 000,- DM ist die bisher weitgehend ausreichende dermatologische Versorgung nicht mehr gewährleistet. Zusätzlich kam es in den letzten Jahren mehrfach zu einer verfrühten und ungewöhnlich starken Regenzeit, die große Teile Kenias in Überschwemmungsgebiete verwandelte. Dies führte nicht nur zu Cholera-Epidemien mit Hunderten von Toten und Tausenden von Erkrankten, sondern auch zur Zerstörung der gesamten Ernte mit folgender Hungersnot. Anläßlich seines letzten Aufenthaltes im Februar 2001 konnte sich Prof. Schmeller von der schwierigen Situation vor Ort überzeugen.
 

 

Spenden und Informationen

 

Wir bitten daher weiterhin um Spenden, die zur Fortsetzung dieses so segensreichen Projektes unbedingt nötig sind. Das Spendenkonto lautet:

Konto Nr. 866 555 der Frankfurter Sparkasse, Bankleitzahl 500 502 01

Für weitere Informationen steht der Verein "Ärzte helfen hautkranken Kindern in Afrika e.V.", Postfach 1227, 65796 Bad Soden am Taunus sowie Prof. Schmeller, Wesloer Landstraße 3k, 23566 Lübeck zur Verfügung. Seit Januar 2000 wird der Verein durch die Firma AVENTIS Pharma Deutschland GmbH unterstützt. Sie entstand aus dem Zusammenschluß von Hoechst Marion Roussel und Rhone Poulenc.

 

 

Weitere Informationen

 

Für Interessierte sind hier noch einige Publikationen aufgeführt, die über Art und Ausmaß der Dermatosen im ländlichen West-Kenia und über die Vereinsaktivitäten vor Ort Auskunft geben.

(1) Schmeller W, Dzikus A (1995) Dermatosen als Indikator sozioökonomischer Lebensbedingungen. Eine Untersuchung bei Schulkindern im Iändlichen Kenia. Akt Dermatol 27: 739 - 746

(2) Schmeller W, Baumgartner S, Dzikus A (1997) Dermatophytomycoses in children in rural Kenya: the impact of primary health care. Mycoses 40: 55- 63

(3) Schmeller W (1997) Fehlbildungen bei Kindern im ländlichen Ostafrika. In: Landthaler M, Hohenleutner U (Hrsg) Operative Dermatologie im Kindes und Jugendalter. Blackwell, Berlin, S 197 - 204

(4) Schmeller W (7997) Das "offene Bein" im ländlichen Kenia Epidemiologie, Therapie und Prophylaxe des tropischen Ulkus. Vasomed 9: 176 - 182

(5) Schmeller W (1998) Dermatosen bei Kindern im ländlichen Afrika. Erfolgreiche Basisversorgung durch Community Health Workers. In: Garbe C, Rassner G (Hrsg) Dermatologie. Leitlinien und Qualitätssicherung für Diagnostik und Therapie. Berichte von der 39. Tagung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, Springer, Berlin, Heidelberg, New York S 420 - 425